»Entscheidend is auf’m Platz« - Rasentypen, die jeder Fußballer kennen sollte

Ascheplatz? Nein, danke! Aber wisst Ihr, was es mit Hybridrasen, Kunstrasen der 3. Generation und dem klassischen Naturrasen wirklich auf sich hat? Nein? Dann geht es Euch wie vielen Hobbykickern. Aus aktuellem Anlass stellen wir Euch die bekanntesten Sportplatz-Bodensysteme vor.

»Entscheidend is auf’m Platz« - Rasentypen, die jeder Fußballer kennen sollte

Naturrasen

Der Naturrasen ist die häufigste und wohl auch die beliebteste Form eines Sportplatzes. Naturrasen ist als Sportstätte vielseitig vorzufinden, ob beim Fußball, Tennis, Golf oder aber auch beim Rugby, Football und Baseball. Aufgrund der häufig hohen Belastbarkeit erfordern Naturrasenplätze eine hohe Qualität. Naturrasen ist unter den Rasensystemen die kosteneffektivste. Grundsätzlich werden zwei Formen von Naturrasen angeboten:

  • Klassisch eingesääter Rasen ist die günstigste Form. Hierbei werden spezielle Grassorten verwendet, welche als Sportrasen entwickelt wurden. Bei der Einsaat verwurzeln sich die Rasensamen komplett in den Boden und bieten daher beste Stabilität.
  • Rollrasen hingegen kann nach dem Verlegen sofort bespielt werden und eignet sich daher ideal zur kurzfristigen Nutzung.

Nach wie vor bietet der Naturrasen die besten Spieleigenschaften für Sportler und verfügt - bei regelmäßiger Pflege - über unangefochtene Qualität und ist unbegrenzt haltbar. Er kann im Durchschnitt rund 600 bis 700 Stunden im Jahr bespielt werden. Einige Bundesligavereine sprechen sogar davon, dass aufgrund der vom Naturrasen ausgehenden natürlichen Sauerstoffproduktion im Stadion die Atmosphäre reguliert wird.

Kunstrasen - gewachsen über Generationen

Alle kennen Sie, viele würden gerne öfter auf ihnen trainieren, doch Kunstrasenplätze in deutschen Sportvereinen sind rar, was nicht zuletzt an den sehr hohen Anschaffungskosten liegt. Die Vorteile allerdings sind erheblich: neben der ganzjährigen Bespielbarkeit, sind Kunstrasenplätze in den Unterhalts- und Pflegekosten deutliche günstiger als ein Naturrasenplatz. Je nach Kunstrasensystem beträgt die Lebensdauer zwischen 12 und 15 Jahren. Kunstrasen ist nicht gleich Kunstrasen.

  • 1. Generation - harter Boden, höhere Verletzungsgefahr: Entstanden in den 1960er Jahren, handelt es sich hierbei um einen dichten, unverfüllten Vollgarn-Kunstrasen. Unverfüllt bedeutet, dass sich zwischen den künstlichen Halmen keinerlei Füllung befindet. Der Kunstrasen der 1. Generation sorgt aufgrund seines hartens Bodens für ein erhöhtes Verletzungsrisiko.
  • 2. Generation - grätschentauglich: In dieser Generation ist der Kunstrasen sandverfüllt. Dadurch entsteht eine bessere Rutscheigenschaft als auf Kunstrasen der 1. Generation. Der Kunstrasenplatz ist sehr pflegeintensiv, da die Sedimente regelmäßig vom Sand abgetragen werden müssen. Die Dämpfung ist eher schlecht.
  • 3. Generation - von UEFA und FIFA anerkannt: In der dritten Generation wird mit Kunstrasenfasern sowie Sand- und Gummigranulatverfüllung gearbeitet. Diese Kunstrasengeneration bietet optimale Spielbedingungen, da durch den elastischen Untergrund keine Verhärtungen mehr entstehen können und der Boden sehr strapazierfähig und pflegeleicht ist. Die 3. Generation ist die erste, welche wettkampftauglich ist und qualitativ geforderten Standards von den Fußball-Spitzenverbänden UEFA und FIFA erfüllt.
  • 4. Generation - Premium-Plätze auf Naturrasenniveau: Dies ist die neueste Generation unter den Kunstrasensystemen. Hier wurden Kunstrasenfasern unterschiedlicher Größen und Stärken verwendet. Der weist die gleichen sportspezifischen Eigenschaften wie top-gepflegte Rasenplätze auf und das verletzungsrisiko ist noch geringer als bei den Kunstrasenplätzen der 3. Generation. Interessiert? Die Kosten für den Bau eines Kunstrasenspielfelds mit den Standardmaßen 105m x 68m liegen zwischen 460.000 € und 600.000 €

Hybridrasen

Der Hybridrasen Ist eine Kombination aus natürlichen und künstlichen Grashalmen. Es handelt sich um einen Naturrasen-Sportbelag, verstärkt durch künstliche Fasern. Er wird wie natürlicher Rasen angesät.

Hybridrasensysteme sind ganz offiziell als Naturrasen anerkannt und daher auch national sowie international für den Profibetrieb zugelassen. Er versucht die Robustheit eines Kunstrasenplatzes mit den optimalen Bodeneigenschaften eines Naturrasens zu vereinen. Jedoch stößt auch Hybridrasen auf eine natürliche Grenze der Belastbarkeit, die sich in den letzten Bundesligaspielen in der Allianz-Arena beobachten ließ.

Der FC Bayern München entschloss sich in der Saison 2014/2015 auf den hochmodernen Hybridrasen umzusteigen. Wer ihr letztes Heimspiel gesehen hat, musste jedoch erkennen, dass der Hybridrasen alles andere als hochmodern und gepflegt aussah. Der Boden war braun gefärbt, hatte sandige Stellen und massenhaft Unebenheiten. Von Pilzbefall war die Rede. Auch die eigenen Spieler bezeichneten den Platz als »ackergleich« und »Kraterlandschaft«. Da der Hybridrasen schwer auszutauschen ist, fräste der FC Bayern kurzerhand die gesamte Spielfläche ab und legte neuen, natürlichen Rollrasen darauf. Den nächsten Heimgegner, den 1. FC Köln, wird's freuen.

Doch wer war schuld? Der Hybridrasen-Hersteller und die Greenkeeper des FC Bayern schieben sich den schwarzen Peter gegenseitig zu. Also: Augen auf, beim Rasenkauf! Übrigens: Die Kosten für den Hybridrasen in der Allianz Arena beliefen sich auf: 350.000 €.

Fazit

In Punkto Spieleigenschaften hat der Naturrasenplatz gegenüber seiner künstlichen Konkurrenz immer noch leicht die Nase vorn. Modernere Kunstrasenplätze ab der zweiten und dritten Generation, wie auch unsere Ziele sie anbieten, haben jedoch vor allem bei schlechten Witterungsbedingungen im Wintertrainingslager erhebliche Vorteile.

Naturrasen Hybridrasen Kunstrasen
  • unbeschränkte Nutzungsdauer
  • günstig in den Gesamtkosten
  • natürlicher Sauerstoffproduzent
  • biologisch
  • hohe Belastbarkeit
  • ganzjährig bespielbar
  • konstante Bodenbeschaffenheit
  • geringer Pflegeaufwand
  • robust wie Kunstrasen
  • Bodenbeschaffenheit wie Naturrasen
  • verringerte Verletzungsgefahr
  • geringe Regenerationspausen
  • nahezu ganzjährig bespielbar
  • höhere Belastbarkeit
  • hoher Pflegeaufwand
  • witterungsunbeständig
  • geringere Belastbarkeit
  • teuer in den Gesamtkosten
  • höhere Verletzungsgefahr
  • begrenzte Nutzungsdauer (ca. 12 Jahre)
  • hohe Kosten bei Rückbau oder Sanierung
  • leicht entflammbar
  • teuer in den Gesamtkosten
  • witterungsunbeständig
  • hohe Kosten bei Rückbau oder Sanierung

Veröffentlicht am 01.10.2016